Linse versus Feder

Linse versus Feder – eine Premiere als Finale: Die Premiere glückte im zweiten Versuch. Der gemeinsame DJV-Kongress für Zeitschriftenredakteure und Bildjournalisten fand mit fünfeinhalbmonatiger Verspätung in leicht modifizierter Form nun doch noch statt. Am Wochenende traf direkt an der Alten Elbe Linse auf Feder sowie Pixel auf Prosa (und umgekehrt). Denn Magdeburg statt München hieß das neue Rezept, weil die Hauptstadt Sachsen-Anhalts mit dem Studiengang Bildjournalismus an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal als Gastgeber offen stand. Das geriet finanziell vertretbar: 77 Anmeldungen (statt rund 70 für Ende April in München), die sich in 66 anwesenden Teilnehmern manifestierte, machten keine Absage nötig, die Termindopplung mit „Besser online“ schlug nicht großartig zu Buche.

Das Programm – mit jenem herrlichen Titel „Prosa trifft Pixel“ versehen und einem seltenen Programm, welches zuvor in fast zwei Jahren in den beiden DJV-Bundesfachausschüssen Zeitschriften und Bildjournalisten langwierig diskutiert und abgestimmt ward – kam größtenteils an, die genaue Evaluation der Fragebögen seitens der steht natürlich noch aus. Eine Premiere ward es deshalb, weil es in der über sechzigjährigen DJV-Geschichte der allererste Kongress für seine Kollegen aus der Zeitschriftenzunft überhaupt war, wie der Fachausschussvorsitzende Lothar Hausmann betont und am Sonntag, beim kurzen Schlusswort, seine Workshop-Kenntnisse („Elevator Pitch“) sofort anwendete. Nach diesen 26 lehrreichen Stunden mit sechs (je doppelt in vier Zeitfenstern angebotenen) verschiedenen Workshops, umrahmt von Impulsreferat und Podiumsdiskussion, wartete das sonnige Magdeburg – mit kurzem „a“ gesprochen und mitten in der Republik gelegen – mit reichhaltigen Neulandimpressionen: von lieben Frauen über Dom bis hundert Wasser. Einziger Schwachpunkt sicher die abschließende Podiumsdiskussion mit mäßig Konfliktstoff und unprickelnder Moderation, begleitet von einer plötzlich ausbrechenden Abreisebewegung, sonntags um zwei. „Mehrwert schlägt Gratiskultur – warum intelligenter Journalismus unverzichtbar bleibt“ war das heikel hoch gegriffene Thema. Doch: Außer Thesen nichts gewesen. Denn die Jugend unter 40 teilt die erste Morgenlektüre zum Kaffee klickend mit der Maus – nicht raschelnd mit der Frau. Und das bislang kostenlos, denn erprobte Bezahlmodelle jenseits des Abos für gute Texte fehlen fürs Netz weiterhin, Qualität manifestiert sich hier nicht im Preis. So lauschten zum Schluss der Diskussion nur noch rund die Hälfte der Teilnehmer im großen, 450 Leute fassenden Audimax der Hochschule Magdeburg-Stendal, während draußen, auf dem wochenendlich leergefegten Campus, idyllisch inmitten des grünen Elbauenparkes gelegen, die warme Herbstsonne und strahlendes Himmelblau gemein sabotierte. Doch das Wetter passte zur Organisation, die in Händen von Gerda Theile und Verena Quarz problemlos gedieh und in der nachfolgenden Fachausschusssitzung der Zeitschriftenkollegen einhellig gelobt wurde. Gleichzeitig wurde bekannt, dass sich der DJV in Zukunft wohl nur noch die drei etablierten jährlichen Kongresse für weibliche, junge und netzabhängige Journalisten leisten kann, die anderen Fachgremien müssten sich für eine vierte Veranstaltung thematisch zusammentun. So war jene Premiere wohl gleichzeitig auch das Finale.
(AH Text+Bild)

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3 Antworten to “Linse versus Feder”

  1. Karsten Socher Says:

    Büros hat der DJV auch nicht überall vor Ort, vielleicht Ansprechpartner. Und dann verstehe ich auch nicht den Sinn des Fachausschusses nicht, wenn der sich nicht um die Fotografen und Bildjournalisten kümmert, sondern das Aufgabe des DJV ist. Dann hat der DJV was nicht mitbekommen. In den letzten Wochen und Monaten hört man immer mehr Aussagen von Fotografen, die wegen den Honorarsenkungen der Verlage, den Wegfall der Aufträge und durch den Konkurrenzdruck der schreibenden Kollegen (die ja besser fotografieren können mit ihrer Knipse als ein Profi mit seiner Fachausrüstung und vom DJV gefördert werden), die ihre Kamera an den Nagel hängen wollen. Weil es wirtschaftlich nicht mehr geht. Und das sind gute Fotografen, die ihren Job können und wissen wie der Hase läuft. Wo bleibt da der DJV? Warum wird sich da nicht mal darum gekümmert. Die Mehrzahl der Fotografen fühlen sich hier missverstanden, nicht aufgehoben und gefördert. Die Verhandlungen für gerechte Honorare wurden für die Schreiber umgesetzt, Fotografen müssen noch ganz lange warten, bis sie Licht am Ende des Tunnels sehen. Und der Journalist verliert kein Wort über Fotografen und berichtet nur über Journalisten, die Cross-Over arbeiten. Stattdesen gibt es Aktionen, Fotografen haben Namen. Das sorgt auch nicht für bessere Aufträge und sichere Honorare. Und nicht jedes Foto kommt vom Profi, sondern von Lesern oder Schreiberlinge, das hilft dann auch nicht. Wie wäre es mit einer Aktion „Fotos brauchen Profis“?

    Also, wie kann man den Kollegen helfen, sich wohl zu fühlen und Mut machen, im Beruf zu bleiben?

  2. Karsten Socher Says:

    Das hört sich nicht toll. Der DJV kann sich eine Sitzung der Bildjournalisten und anderer Gruppen nicht mehr leisten? Hoffentlich ist das für den DJV kein Schuß nach hinten. Nicht das die Bildjournalisten auf den Gedanken kommen und sage, sie können sie den DJV nicht mehr leisten. Freelens ist mehr für die Fotografen da und günstiger.

    Im DJV sind / seien wohl 3000 Fotografen und mehr gemeldet. Wenn diese morgen aus einem Verein/Verband austreten, der sich mehr um die Schreiber und Onliner als um die Profifotografen kümmert, wäre das ein Großer Verlust. 3.000 Mitglieder mal 70 Euro Quartalsbeitrag mal 4 Quartale = 840.000 Euro Jahresmitgliedsbeiträge.

    Sollte das eintreten, kann sich der DJV keine der drei Kongresse mehr leisten.

    • djvintern Says:

      Nicht der Fachausschuss Bildjournalisten kümmert sich im eigentlichen Sinn um die Bildjournalisten sondern der DJV insgesamt, konkret die Geschäftsstellen der Landesverbände und zwar in Form von Beratung, Rechtsschutz und Mitgliederinformation. Und wieso sollte Freelens günstiger sein???
      Kein Rechtsschutz bei gleichem Mitgliedsbeitrag! Keine Mitgliederinformationen! Internationaler Presseausweis 10 € teurer! Keine Büros vor Ort!

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